Geschichte

Am 1. Juli 1923 beginnt die Geschichte der Bunten Bühne mit einem unvorstellbaren Fest. Der „Volksbote“, die sozialdemokratische Wochenzeitung von Niederösterreich, berichtet über die Gründung der „Arbeiterbühne“: „Um 9 Uhr vormittags trafen am Bahnhof Mistelbach die Frühzüge mit den Festgästen ein. Kinderfreunde und Rote Falken in ihren Blauhemden, die roten Fahnen, Eisenbahner in Uniform und Zivil, Arbeiterradfahrer mit ihren bunt geschmückten Rädern, Musikkapellen und Abordnungen aus Wien und dem gesamten Bezirk formierten sich zum Festzug. Mehr als 5.000 Personen nahmen daran teil. Die Fahnenpatin Frau Emilie Moschna wurde mit klingendem Spiel in der Flüchtlingsstation (der heutigen Südtirolsiedlung) abgeholt. Gemeinderat Gustav Richter sen. würdigte in seiner Festrede die Bedeutung dieser Feier. Sodann erfolgte die Enthüllung der Fahne.

Nach dem Umzug fand im Rathausgarten ein Festkonzert statt, das einen Massenbesuch aufwies. Mit einem Unterhaltungsabend im Rathaussaal, verbunden mit Theater, Variete und Tanz, endete die schöne, in Mistelbach einzig dastehende Feier.“

Auf die eindrucksvolle Geburtsstunde der damals „Arbeiterbühne“ genannten Laienspieltruppe folgen in den 20-iger-Jahren und zu Beginn der 30-iger Jahre alle paar Monate neue, erfolgreiche Theaterstücke. Die Aufführungen finden im großen Saal des Hotel Rathaus am Hauptplatz statt, dort, wo heute das Gebäude der Erste-Bank steht. Es gibt kaum eine Vorstellung, die nicht ausverkauft ist. Gegeben werden vor allem Lustspiele aus dem ländlichen Raum, das Ensemble setzt sich hauptsächlich aus Frauen und Männern der Arbeiterbewegung in Mistelbach zusammen.

Mit der Machtübernahme durch das Dollfuß-Regime im Februar 1934 wird der weitere Aufstieg der „Arbeiterbühne“ von einem Tag auf den anderen unterbrochen. Der Verein „Arbeiterbühne“ wird vom faschistischen Ständestaat wie alle sozialdemokratischen Organisationen verboten, obwohl das Theaterspiel nicht einmal politisch war. Der Betrieb muss eingestellt werden.

Die 1938 beginnende Nazi-Diktatur mit der Auslöschung Österreichs verhindert auch die nächsten Jahre jede Aufführung der „Arbeiterbühne“.

Mit dem Ende des Nationalsozialismus im Mai 1945 beginnen sich die Schauspieler nach 11 Jahren Verbots wieder zusammenzufinden. Die Bevölkerung wird aufgerufen, nicht mehr benötigte Kleidung und Stoffreste für die Herstellung von Kostümen zu spenden. Schon am 6. Februar 1946 kommt es im Hotel Rathaus zur ersten Aufführung der Zweiten Republik. Während am Hauptplatz noch zahlreiche Bombenruinen stehen, wird das Lustspiel „Der Haupttreffer“ gezeigt. Die Eintrittspreise betragen 1, 2 oder 3 Schilling. Die „Arbeiterbühne“ heißt jetzt erstmals „Bunte Bühne Mistelbach“.

Für den Weiterbestand der Theatergruppe in dieser schwierigen Zeit ist vor allem Franziska und Ernst Schejbal, Hans und Lina Mattes, Fritz Klose und Paul Kessler, Josef Großbichler und Josef Hübl, Grete Biringer und Georg Stangl zu danken. Sie und viele andere FunktionärInnen und SpielerInnen haben den Grundstein für alle weiteren Erfolge gelegt.

In der Zeit der russischen Besatzung von 1945 bis 1955 muss jedes Theaterstück vor seiner Aufführung der russischen Kommandatur, die im Rathaus ihren Sitz hat, zur Überprüfung und Zensur vorgelegt werden.

In dieser Zeit gibt die Bunte Bühne vor allem Lust- und Singspiele wie „Fahr`ma Euer Gnaden“ oder „Damian beim Militär“, Märchen wie „Der Ziegenpeter auf der Zauberalm“ oder Volksstücke, die zum Beispiel folgende Titel haben: „Der verkaufte Großvater“ im Mai 1946, „Der G`wissenswurm“ im Mai 1947, „Der Meineidbauer“ im Juli 1949, „Das Weihnachtswunder am Kathreinerhof“ im Dezember 1954.
Nach den Jahren des Verbots sowie der allgemeinen Not wird möchte sich die Bevölkerung unterhalten. Die Bunte Bühne produziert zu dieser Zeit ein Stück nach dem anderen. Allein im Jahr 1946 werden sieben verschiedene Stücke zur Aufführung gebracht. Alle Vorstellungen sind restlos ausverkauft.

Bedingt durch den Verkauf und Abbruch des Hotel Rathaus übersiedelt die Bunte Bühne im Jahr 1958 in das neu erbaute Gebäude der Arbeiterkammer Niederösterreich in Mistelbach.

Der neue Spielort wird mit dem Volksstück „Der Herrgottswinkel“ eingeweiht. Mit der neuen Heimat wird auch das Repertoire der Bunten Bühne erweitert: Unter der Regie von Georg Stangl bringt die Bunte Bühne zunehmend anspruchsvollere Theater-Unterhaltung. So werden ab 1963 Stücke von Johann Nepomuk Nestroy, Ferdinand Raimund, Moliere oder Anzengruber aufgeführt sowie auch moderne Autoren wie Fritz Hochwälder inszeniert.

In den folgenden Jahren entwickelt sich die Bunte Bühne zum Nestroy-Theater schlechthin. So kam es unter anderem zu folgenden Premieren-Vorstellungen in Mistelbach: „Frühere Verhältnisse“ 1963, „Lumpazivagabundus“ 1963, „Unverhofft“ 1965, „Das Mädl aus der Vorstadt“ 1966, „Liebesg`schichten und Heiratssachen“ 1971, „Der Zerrissene“ 1972, „Der Talisman“ 1975, „Nur keck“ 1980, „Die schlimmen Buben in der Schule“ 1983, „Umsonst“ 1994, „Einen Jux will er sich machen“ 1995, „Zu ebener Erd und erster Stock“ 2001, „Häuptling Abendwind“ 2002.

Zum 60-jährigen Jubiläum der Bunten Bühne im Jahr 1983 wird in den Sommermonaten ein zweiter Spielort begründet: Seit damals finden im Barockschlössel Mistelbach Theateraufführungen statt.

Anlässlich des Jubiläums 300 Jahre Barnabitenkloster führt die Bunte Bühne im Jahr 1999 Hugo von Hofmannsthals Stück „Jedermann“ im wunderschönen Innenhof des Klosters auf. Das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes findet beim Publikum begeisterte Aufnahme.

Den 200. Geburtstag von Johann N. Nestroy (1801 – 1862) feiert die Bunte Bühne gemeinsam mit dem BORG Mistelbach im Barockschlössel. Eine Fotoausstellung, ein Kurzfilm und eine Gestaltung von Schülern über Nestroys Leben sowie die Premiere von „Zu ebener Erd und erster Stock“ bilden den würdigen Rahmen.

Das Theaterjahr 2003 wird mit der Komödie „Nie mehr Paris“ von Eugene Labiche und den zwei Nestroy-Stücken „Die schlimmen Buben in der Schule“ und „Häuptling Abendwind“ abgeschlossen.

Im Winter 2012 – unter der neuen Obfrau Claudia Fath-Kuba – avancierte die Aufführung von ‚Dinner for one’ zum Publikumserfolg.

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